Leserbrief an die Bild-Zeitung 12.02.08: Arbeiten - ich bin doch nicht blöd!

Sehr geehrte Redakteure, sehr geehrte LeserInnen,

Ihr Artikel zum Thema: "Arbeiten? Ich bin doch nicht blöd!" ist an Zynismus, Geschmacklosigkeit und Rechtspopulismus kaum noch zu überbieten! Nach dem Beitrag von Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin zum Thema: Kosten der Mahlzeiten für Hartz IV-Bezieher legen Sie noch einen drauf!

Das ist eine reine Hetze gegen Erwerbslose wie es sie noch nie gegeben hat! Der Personenkreis, den Sie beschreiben, beträgt gerade mal ca. 3% aller Erwerbslosen. Die Mehrzahl der Erwerbslosen will arbeiten gehen und viele machen sogar Tätigkeiten gegen MAE, damit sie über die Runde kommen. Sie wollen doch mit ihrem Bericht nur wieder erreichen, das die Regelsätze weiter gekürzt werden!

Die Langzeiterwerbslosen werden heutzutage von den Jobcentern nur noch gegängelt und sanktioniert. Ihnen als Nichtbetroffene ist dies kaum oder gar nicht bekannt, sonst würden Sie nicht solche Berichte verfassen oder derartige Diskussionen anregen.

Ich bin einer der aktivsten Langzeiterwerbslosen Deutschlands. Erzählen Sie mir nicht, ich könnte von mtl. 347,- € leben oder mich darauf ausruhen! Ich habe nur einen Anspruch an unsere Gesellschaft und zwar auf ein selbstbestimmtes Leben und nicht auf eine Lebensperspektive nach Diktat! Ich schreibe jede Woche zwischen 5 und 10 Bewerbungen auf europäischer Ebene. Ich erhebe den Anspruch, meine erworbenen Qualifikationen und Fähigkeiten zu tariflichen Bedingungen auch ausführen zu dürfen.

Für Menschen, die offensichtlich nicht erwerbsarbeiten wollen, habe ich kein Verständnis. Sie aber ziehen die Arbeitswilligen mit hinein und das verurteile ich bei Ihnen aufs schärfste!

Es wird dringend wieder Zeit, dass politische Aktionen gegen die Springer-Presse wie in den 60ern erfolgen und gegen solch eine Art von Volkshetze agiert wird.

Ich bin kein Bild-Zeitungskäufer, denn Ihre Titel sind meistens ziemlich polemisch und führen bei mir nur zu Verbitterungen!

Für mich gibt es nur noch ein Lebensziel - mich von Deutschland für immer zu verabschieden, weil hier politisch als auch gesellschaftlich nichts mehr zu erwarten ist. Deutschland ist für viele schon lebensbedrohlich.

Detlef Spandau

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